40 Jahre Kirchdorf-Süd - Ein Quartier voller Leben und Engagement

Gerd Horn leitet seit 28 Jahren den Kinderbauernhof; Foto: Thomas Duffé
Gerd Horn leitet seit 28 Jahren den Kinderbauernhof; Foto: Thomas Duffé
Ausgabe 2 / 2015 Ausgabe als PDF speichern

„Hallo Jens“, grüßt Jeanette Hagemann-Kluth fröhlich den am Erlerring vorbei schlendernden Polizisten. „Das ist unser ‚BünaBe‘, unser bürgernaher Beamter hier“, erzählt die SAGA GWG Mieterin. „Der hat gleich nebenan sein Büro und man sieht ihn immer.“ Die 60-Jährige organisiert seit 18 Jahren den Mietertreff im ehemaligen Fahrradkeller. Fast jeder im Stadtteil kennt die „coolste Oma aus Kirchdorf“, wie sie von vielen Jugendlichen genannt wird. An Feiertagen schmückt sie den 12 Quadratmeter großen Raum liebevoll, zu Ostern organisiert sie einen Malwettbewerb für Kinder. „Ohne Kirchdorf-Süd würde mir etwas fehlen. Ich mag einfach die Mentalität der Leute hier“, erklärt sie ihre Verbundenheit mit dem Kiez.

ZUSAMMENHALT IM STADTTEIL

Aus Anlass des 40-jährigen Bestehens hat die Journalistin Sigrun Clausen das Buch „40 Menschen. 40 Jahre Leben in Kirchdorf-Süd“ veröffentlicht. In ihrem Vorwort schreibt sie mit Blick auf die Bewohner: „Ohne ihr Engagement und ihre manchmal geradezu trotzige Treue hätten die offiziellen Sanierungs- und Nachbesserungsmaßnahmen nicht diesen Erfolg gehabt. Die Bewohner waren es, die gemeinsam mit den Engagierten vor Ort Kirchdorf-Süd zu einem lebenswerten Ort machten.“ Jeanette Hagemann-Kluth widmet sie ein Porträt, ebenso wie der jungen SAGA GWG Mieterin Ipek Baran. Nachdem die 26-Jährige im letzten Jahr erfahren hatte, dass in der leer stehenden Schule am Karl-Arnold-Ring ein Aufnahmelager für Flüchtlinge errichtet werden soll, organisierte sie spontan Hilfe: von einer Kleiderkammer über Kinderbetreuung, Deutschkurse bis hin zu Hilfe bei Behördengängen. „Ich wollte den Stein ins Rollen bringen“, sagt die junge Frau. Daraus ist inzwischen ein eingetragener Verein mit dem Namen „Die Insel Hilft e.V.“ geworden. Die Mutter einer vierjährigen Tochter schätzt das bunte Leben und bezieht das ausdrücklich auf Herkunftsländer, Berufe und Altersdurchmischung der Bewohner. „Ich habe mal ein Jahr außerhalb Hamburgs gewohnt. Da wollte ich sofort wieder weg“, sagt Ipek Baran.

Rund 6.000 Bewohner leben in Kirchdorf-Süd, der jüngsten Großwohnsiedlung Hamburgs, in der SAGA GWG rund 1.300 Wohnungen verwaltet. Die restlichen Bestände werden unter anderem von der Vereinigten Hamburger Wohnungsbaugenossenschaft oder dem Bauverein der Elbgemeinden vermietet. Mario Mack, Leiter der SAGA GWG Geschäftsstelle Wilhelmsburg, erklärt: „Wir sind stetig bemüht, die Qualität der Wohnungen, der Gebäude und des Wohnumfeldes zu verbessern. In den letzten 15 Jahren haben wir viel in die Aufwertung und technische Überarbeitung der Fassaden, Eingangsbereiche und Außenanlagen investiert.“

DONNERSTAG IST MARKTTAG

Ein funktionierendes Quartier kommt nicht ohne lokale Kultur- und Freizeitangebote aus. So gründeten engagierte Eltern 1987 den bis heute beliebten Kinderbauernhof. Anfang der 90er-Jahre entstand das Freizeithaus Kirchdorf-Süd als Treffpunkt und Stadtteilkulturzentrum, weitere Einrichtungen folgten. Und donnerstags ist Markttag: Wenn frisches Obst und Gemüse, feine Süßspeisen und Kleider auf dem zentralen Platz angeboten werden, sind seit einigen Wochen auch die SAGA GWG Mieter Kirsten und Horst Brohm mit ihrem Schwenkgrill dabei: „Uns macht das Spaß hier. Wir werden das wohl beibehalten“, sagt der Grillmeister Brohm, während er dem etwas müden Busfahrer sein Pausen-Würstchen serviert.

Die Vermieter vor Ort wollen in enger Zusammenarbeit ihren Beitrag zur erfolgreichen weiteren Entwicklung leisten. So soll auch in den nächsten Jahren in Bestandserhaltung und Quartiersentwicklung investiert werden. „Die Unterstützung von sozialen Projekten und weiteren Entwicklungsmaßnahmen bleibt wichtig“, sagt Mack. Die bis zu 13-stöckigen Wohnblocks mögen auf den ersten Blick ein wenig anonym wirken. Umso mehr außergewöhnliche Menschen gibt es hier, die den „dorfähnlichen Charakter“ des Stadtteils ausmachen und ihm seinen ganz besonderen Charme verleihen.

Ausgabe als PDF speichern