Parkour-Festival

Fotos: Hauke Hass
Fotos: Hauke Hass
Ausgabe 2 / 2016 Ausgabe als PDF speichern

Der "Gravity Sucks Parkour Jam" ist eine Mischung aus Trainingslager und Festival. Ein Wochenende lang kämpfen Hobbysportler mit den internationalen Stars der Szene gegen die Schwerkraft an.

So etwas kommt hier ganz selten vor: Plötzlich ist es still in der Sporthalle Hoheluft. Konzentriert steht ein junger Mann auf einem Baugerüst. Er fokussiert sein Ziel und setzt aus dem Stand zum Sprung an. Gespannt beobachten die umstehenden Sportler die Szene. Wie eine Katze überwindet der Parkour-Sportler die drei Meter breite Kluft und landet gekonnt auf der schmalen Stange. Er ist sichtlich stolz und genießt den Jubel der anderen Athleten – besonders den der Profis. Auf dem „Gravity Sucks Parkour Jam“ essen, schlafen und trainieren Hobbysportler Seite an Seite mit Profis. Dazwischen erleben alle gemeinsam auf geführten Touren die Stadt und entdecken Michel, HafenCity oder Sternschanze. Die Atmosphäre unter den Sportlern ist locker und unkompliziert. „Das ist das Besondere am Parkour“, erklärt Organisator Sebastian Ploog, „egal wie gut oder schlecht, hier bekommt jeder seine Anerkennung.“

Perfekte Körperbeherrschung

Ziel der Sportart ist es, Hindernisse durch die Kombination verschiedener Bewegungen so effizient wie möglich zu überwinden. Athleten benötigen vor allem eine realistische Einschätzung für die Fähigkeiten des eigenen Körpers. Die rund 200 Sportler auf dem Festival machen Salti, Schrauben und springen von einem Hindernis zum nächsten. Der „Gravity Sucks Parkour Jam“ macht seinem Namen alle Ehre: Es wirkt fast, als wäre die Schwerkraft für dieses Wochenende tatsächlich außer Kraft gesetzt. Veranstalter des Spektakels ist der gemeinnützige Verein Parkour Creation e.V., der von der SAGA GWG Stiftung Nachbarschaft unterstützt wird. Gemeinsam mit 30 freiwilligen Helfern organisierte er eine der größten Parkour-Veranstaltungen in Deutschland. „Wir haben bei zehn internationalen Parkour-Größen angefragt und gehofft, dass vielleicht fünf zusagen“, erklärt Ploog. „Am Ende haben alle teilgenommen. Weitere Profis sind sogar von sich aus auf uns zugekommen. Das hat uns wirklich überwältigt.“

Gesundheit steht im Vordergrund

Vielleicht lag dieses Interesse auch am Konzept des Jams, das auf verantwortungsbewusstes Training abgestimmt ist. Die Sportler besuchen während des Wochenendes Yogakurse, Vorträge über Faszientraining und Kinesio-Taping oder lassen sich von Physiotherapeuten vor Ort behandeln. Auch wenn die atemberaubenden Sprünge auf Außenstehende oft gefährlich wirken, beim Parkour geht es nicht darum, sich bewusst waghalsigen Situationen auszusetzen. Die meisten Sportler haben ein gutes Körpergefühl und achten sehr auf ihre Gesundheit. Diese Lebensweise scheint sich auszuzahlen. Es grenzt an Hochleistungssport, wie die Teilnehmer völlig mühelos das ganze Wochenende hindurch die Hindernisse erstürmen. Müde und zufrieden packen sie schließlich am Sonntagnachmittag ihre Sachen und fahren schweren Herzens nach Hause. Was bleibt, ist viel Aufmerksamkeit für die Hamburger Parkour- Szene und ganz sicher Muskelkater. Weitere Informationen finden Sie unter www.diehalle.hamburg

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