Fußball verbindet

Fans verfolgen das Fußball-Turnier beim move!-Auftakt in Neuwiedenthal | Foto: T. Duffé
Fans verfolgen das Fußball-Turnier beim move!-Auftakt in Neuwiedenthal | Foto: T. Duffé
Ausgabe 3 / 2016 Ausgabe als PDF speichern

Das wird ein heißer Sportsommer: Überall in Hamburg treffen sich Nachbarn zum Fußballgucken oder treten selbst gegen das Leder. Es zeigt sich wieder mal: König Fußball verbindet Menschen.

Es sind nur noch wenige Minuten zu spielen. Der Ball fliegt hoch in den Strafraum der Kroaten, sie kriegen die Kugel nicht weg. Riesenchance für die Türkei! Ist das der Ausgleich? Nein! Der Schuss wird abgeblockt. Lautes Gejohle, „Oh Mann!“, „Unut!“, keine Frage – der Raum im Schreyerring ist fest in türkischer Hand. Auch der kleine Yasin schlägt die Hände vors Gesicht. Für das EM-Spiel hat er sich extra eine Flagge besorgt – und wünscht sich so sehr, dass „seine“ Türken gewinnen.

Der Fünfjährige schaut das Spiel mit seinem Vater bei der Wohnzimmer-EM. Der Clou dabei: Der Raum der Initiative „Mitte Steilshoop“ ist urig eingerichtet, mit Sofas, Tischlampen, Teppichen und zwei großen Fernsehern in der Mitte. Es ist Public Viewing mit Wohnzimmeratmosphäre. „Die Idee ist schön“, sagt Ömer Evren, Yasins Vater. „Wir sind mit Freunden hergekommen und haben schon viele Bekannte aus dem Stadtteil getroffen.“

PUBLIC VIEWING IM WOHNZIMMER

Genau das ist das Ziel der Wohnzimmer-EM: Nachbarn in geselliger Runde verbinden. „Wir zeigen alle EM-Spiele der Türken und der Deutschen, der Eintritt ist frei für alle“, sagt Nicolas Schröder von ProQuartier. „Und bei schönem Wetter bauen wir die Sofas einfach unter freiem Himmel auf.“ Doch auch drinnen ist Stimmung, selbst als die Türkei mit 0 : 1 verliert. Yasin ist die Enttäuschung anzusehen. Nur die beiden kroatischen Fans gehen mit einem Lächeln nach Hause.

FUSSBALLFEST IN NEUWIEDENTHAL

Auch anderswo in Hamburg rollt der Ball. Etwa in Neuwiedenthal zum Auftakt von move!, dem Sportprogramm von SAGA GWG. Rund 60 Kinder und Jugendliche treten hier zum Fußballturnier an, die 5er-Teams haben Namen wie „Freekickers“, „BVB“ oder „FC King“. Schon vor dem Anpfiff ist im Innenhof des Quartiers Neumoorland ordentlich was los: Die Kleinen erproben sich im Fußballgolf und Fitnessboxen, es gibt Wurst vom Grill und Gratisbrause, und auch die Eltern kommen in Bewegung, als die Hip-Hopper der „SmallGroup“ das Fußballvolksfest mit einer Tanzeinlage eröffnen.

AUF DEM FUSSBALLPLATZ ZU HAUSE

Dann geht es auch schon los: Den Auftakt macht der „FC King“, ein bunter Haufen, die jungen Spieler stammen aus Deutschland, der Türkei, Kasachstan und Togo. Satz bitte folgendermaßen ändern: Der kleine Bayram misst gerade mal 1,40 Meter und zeigt den Großen, wie man dribbelt. Eins, zwei, links vorbei, dann zieht der Zehnjährige in die Mitte und schließt mit einem sehenswerten Flachschuss ab. 1 : 0, Riesenjubel, es ist der Siegtreffer. „Bei all den Zuschauern fühlt man sich fast wie ein Profi“, sagt Bayram, noch ein wenig atemlos. Er hat Heimvorteil: „Wir spielen hier fast jeden Tag, der Fußballplatz ist wie ein zweites Zuhause.“ Den Sommer über haben er und die anderen noch reichlich Gelegenheit zum Kicken in großer Runde: Bis Ende August laden die Trainer des Vereins HNT jeden Dienstag zum kostenlosen Fußballtraining. Sportangebote wie dieses gibt es nicht nur in Neuwiedenthal: Boule in Hummelsbüttel, Boxen auf der Veddel, Fußballspielen in Horn, Hohenhorst und Schnelsen Süd – im Rahmen von move! bietet SAGA GWG rund 230 kostenfreie Sporttreffs in 17 Hamburger Stadtteilen an, allesamt begleitet von professionellen Trainern. Auch in diesem Jahr rechnen die Veranstalter wieder mit mehreren Tausend Teilnehmern. Dass Gewinnen dabei nicht alles ist, zeigen die Jungs vom „FC King“. Für den Turniersieg reicht es nicht, doch sie applaudieren fair, als die Gewinner ihre Medaillen bekommen. Die Niederlage gehört nun mal genauso zum Spiel wie der Triumph. Viel wichtiger ist: Ob beim Kicken in Neumoorland oder beim EM-Gucken in Steilshoop – der Sport bringt Nachbarn zusammen. Und genau so soll es sein.

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