Bienenretter

Ausgabe 3 / 2018 Ausgabe als PDF speichern

Das Imkern in der Stadt ist im Aufwind. Auch in Hamburg.

Mehr als 5.300 Bienenvölker in Hamburg fühlen sich pudelwohl, denn vom Frühjahr bis zum Herbst finden sie hier Pollen und Nektar in Hülle und Fülle. Irgendwas blüht immer in Gärten und Parks, auf Balkonen und  Friedhöfen. Anders auf dem Land: Hecken und Wiesen sind oft verschwunden und wenn Monokulturen wie der Raps verblüht sind, finden die Bienen kaum Nahrung. Aber: Bienenwollen gehegt und gepflegt werden, angehende Hobbyimker müssen Zeit und Know-how mitbringen. Wer den nützlichen Tieren eine Heimat in der Stadt bieten will, schließt sich am besten einem der zwölf Hamburger Imkervereine an, die Sie unter derVerbandsadresse www.ivhh.de finden

Mehr junge Leute, mehr Frauen Im Hamburger Imkerverband sind heute über 1.000 Bienenfreunde organisiert, 2005 waren es nur knapp 250 Mitglieder. Hinzugekommen sind vor allem junge Leute und Frauen.

Lass es blühen! Sie wollen etwas für die Biene tun? Greifen Sie zu nachhaltig produzierten oder ökologischen Lebensmitteln. Denn eine naturnah gestaltete Landwirtschaft bietet eine blühende Pflanzenwelt vom Frühjahr bis zum Herbst – und damit jede Menge Nahrung. Und: Bringen Sie die Stadt in Gärten und auf Balkonen zum Blühen.

Rahlstedt summt: Acht Bienenvölker tummeln sich im SAGA-Quartier zwischen Schwarzenbeker Ring und Rehwinkel. „Mit dem Projekt wollen wir die Natur ins Quartier holen. Und auch unsere Mieter sind von den neuen Nachbarn begeistert“, erklärt Geschäftsstellenleiterin Kerstin Rieke. Einmal pro Woche schaut Imker Lasse Drube zusammen mit den Mietern, ob es den Bienen gut geht. Was alles zu tun ist und wie Balkons besonders bienenfreundlich gestaltet werden, erklärt der Bienenretter im Interview.

Welche Pflanzen sind denn besonders bienenfreundlich? Alle blühenden Kräuter sind gut für die Bienen – also zum Beispiel Salbei, Rosmarin, Koriander, Oregano, Minze, Dill oder auch Lavendel. Wichtig ist es, offene Blüten zu wählen, so dass die Bienen gut an den Pollen und Nektar kommen. Bei der Auswahl der Pflanzen sollte man darauf achten, dass die Bienen vom April bis zum Spätsommer ausreichend Blüten finden. Gut funktionieren auch fertige Blumensaatmischungen: Der Mix sorgt dafür, dass es über einen langen Zeitraum Blüten gibt.

Und was ist im eigenen Garten zu beachten? Besonders wertvollen Nektar liefern Beerensträucher, aber auch Sonnenblumen, Kornblumen, Phacelia, Astern oder Klatschmohn. Mähen Sie Ihren Rasen seltener, dann bleiben Klee oder Löwenzahn länger erhalten. Mähen sollte man eher am Abend, wenn die Bienen weniger fliegen.

Was ist alles zu tun als Imker? Im Sommer kontrolliere ich einmal pro Woche, ob es den Bienen gut geht. Eine ganz wichtige Aufgabe ist, das Schwärmen zu verhindern. Dabei verlassen Tausende Bienen in einer riesigen Wolke mit der Königin den Stock auf der Suche nach einem neuen Nistplatz. Das ist ein natürlicher Trieb der Bienen und passiert, wenn es ihnen zu eng wird. Man beobachtet also seine Völker, entnimmt Waben und packt diese in einen neuen Stock. So entsteht ein neues Volk. Die Bienen ziehen dann eine neue Königin auf. Außerdem muss man sich um Krankheiten kümmern. Viel Arbeit macht die Varroamilbe, die ganze Bienenvölker zerstört.

Wo kann man das Imkern lernen? Wer sich ein Bienenvolk anschaffen will, schließt sich am besten einem Imkerverein an. Dort werden auch Schulungen angeboten. Imkern ist ein tolles Hobby, benötigt aber eine gründliche Vorbereitung. Von der fachgerechten Haltung über den Umgang mit Krankheiten bis zur Gewinnung des Honigs ist einiges zu lernen. Und mit dem Sommerurlaub wirds schwierig: Zwischen April und Juli muss sich auch ein Hobby-Imker wöchentlich um die Bienen kümmern.

Honigweltmeister Die Deutschen lieben Honig. Rund 85.000 Tonnen Honig pro Jahr werden hierzulande vernascht. Das sind pro Kopf etwa 1,1 Kilogramm. Nur 20 Prozent des Bedarfs werden durch heimische Imker gedeckt, der Rest muss importiert werden.

Honig ist nicht gleich Honig Von hell bis dunkel, von flüssig bis fest: Die verschiedenen Sorten sind sehr unterschiedlich. In Hamburg ist die Linde eine der wichtigsten Futterpflanzen für Bienen. Lindenhonig schmeckt mild bis würzig, hat eine cremige Konsistenz und schimmert leicht grünlich.

So schmeckt Hamburg Welcher ist der cremigste, welcher besonders würzig? Der Hamburger Flughafen, der FC St. Pauli, die Umweltbehörde und der Michel produzieren ihren eigenen Honig. Viel Spaß beim Durchprobieren!

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