Zwischen Kiez & Hafen

Kaum einer kennt den Hexenberg so gut wie sie: Edeltraut Schwarzkopf erzählt Geschichten aus ihrem Quartier | Foto: A. Bock
Kaum einer kennt den Hexenberg so gut wie sie: Edeltraut Schwarzkopf erzählt Geschichten aus ihrem Quartier | Foto: A. Bock
Ausgabe 4 / 2016 Ausgabe als PDF speichern

Am Elbhang zwischen Fischmarkt und Reeperbahn liegt ein Quartier mit besonderer Geschichte. Einst als „Abruzzen-Viertel“ verschrien, entstand in den 1970er-Jahren eine der modernsten Siedlungen der Stadt. Jetzt beginnt ein neues Kapitel.

Als Edeltraut Schwarzkopf 1973 ihre Neubauwohnung in der Trommelstraße bezog, ging für sie ein Traum in Erfüllung. Lichtdurchflutete Räume, Zentralheizung, geräumiger Balkon mit Blick auf Hafen und Grünanlagen. „Die Nachbarn kannten sich gut und wir waren alle froh, hier wohnen zu können. Eine tolle Gemeinschaft“, erinnert sie sich. Schwierige Zeiten lagen hinter dem Quartier und seinen Bewohnern. Die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs hatten große Wunden hinterlassen. Viele der übrig gebliebenen Gebäude lagen in lichtlosen Hinterhöfen, waren marode oder notdürftig repariert. Dazwischen Wellblechhütten, die als Provisorien ehemalige Bauten ersetzten.

EIN NEUES QUARTIER ENTSTEHT

In den frühen 1970er-Jahren wurde der alte Bestand abgebrochen. Moderne Wohnungen und neue Grünanlagen entstanden. „Wandel am Hexenberg“ titelte das SAGA Mietermagazin im Juni 1973. Und tatsächlich entwickelte sich eine enge und freundschaftliche Nachbarschaft mit vielen jungen Familien, die einander gut kannten. In den 1990er-Jahren änderte sich das Bild. Partytouristen strömten am Wochenende auf dem Weg zum Fischmarkt durch die Siedlung, Vandalismus und Kriminalität hielten Einzug – die Nachbarschaft drohte zu zerbrechen. Edeltraut Schwarzkopf gründete daraufhin die erste Mieterinteressengemeinschaft Hamburgs und setzte sich mehr als 20 Jahre mit ihren Mitstreitern für ein lebenswertes Quartier ein – mit großem Erfolg. Heute ist die Siedlung ein Kleinod im Herzen Hamburgs. „Wenn ich an der Haltestelle Reeperbahn aussteige, tobt dort das Leben. Sobald ich aber auf meinem Balkon sitze, höre ich nichts mehr davon“, sagt Edeltraut Schwarzkopf. Mehr als 40 Jahre wohnt sie nun hier.

ENERGETISCHE MODERNISIERUNG

Seit einiger Zeit tut sich wieder was am Hexenberg. Eine der zurzeit umfangreichsten Modernisierungsmaßnahmen von SAGA GWG ist in vollem Gange. Während die Häuser in der Trommelstraße bereits fertig sind, rüsten Handwerker gegenüberliegende Gebäude ein, bringen Dämmplatten an und sanieren die Treppenhäuser. Die Mieter können während der Arbeiten in ihren Wohnungen bleiben und sehen, jetzt wo die ersten Gebäude in neuem Glanz erstrahlen, dass sich der Aufwand lohnt. „Die Baufirma kommuniziert gut mit uns und hält die Belastungen so gering wie möglich. Nur einen Tag hat es gedauert, um sämtliche Fenster und die Terrassentür auszutauschen“, betont Edeltraut Schwarzkopf.

ZEITGEMÄSSE FASSADEN

Bislang benötigten die Gebäude jährlich rund 200 Kilowattstunden Wärmeenergie pro Quadratmeter. Durch die neuen Fassaden, die gedämmten Dächer und Keller wird dieser Wert auf rund 70 Kilowattstunden reduziert. Dadurch sparen die Mieter nicht nur Heizkosten, sondern schonen auch die Umwelt. Das von der IFB Hamburg und der KfW geförderte Projekt ist mit Oberbaudirektor Jörn Walter und dem Amt für Denkmalschutz abgestimmt worden. In einer gemeinsamen Entscheidung fiel die Wahl auf die hellen, freundlichen Klinkerriemchen, die der Siedlung ein modernes Äußeres verleihen. Insgesamt investiert SAGA GWG rund 22 Millionen Euro in das Quartier am Hexenberg. Voraussichtlich Ende 2017 sind die Bauarbeiten abgeschlossen. Edeltraut Schwarzkopf lässt ihren Blick in Richtung der Hafenkräne schweifen. Unten im Hof wird noch gebaut. Schon bald werden sich hier wieder die Nachbarn treffen. Fest eingeplant ist bereits ein buntes Fest mit allen Mietern.

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