Born to be alive: Der Osdorfer Born wird 50

Hoch hinaus: Die Bewohner feiern ihren Stadtteil - Auch bei Regen. | Foto: T. Duffé
Hoch hinaus: Die Bewohner feiern ihren Stadtteil - Auch bei Regen. | Foto: T. Duffé
Ausgabe 4 / 2017 Ausgabe als PDF speichern

grün, ruhig, offen - Vor 50 Jahren entstand der Osdorfer Born, die erste Großwohnsiedlung Hamburgs. Ein Stadtteil, der unterschätzt wird. Wie lebt es sich dort? Sehr gut, berichten die Bewohner und erzählen von den Vorzügen ihres Quartiers.

Der Osdorfer Born ist bekannt – den meisten Hamburgern allerdings weniger aus persönlicher Erfahrung, sondern mehr durch Geschichten aus zweiter oder dritter Hand; Geschichten über soziale Probleme und vermeintlich schlechte Lebensqualität. Echte Borner ärgert das schon mal ein bisschen. „Wir lieben unseren Born. Aber wirklich!“ Anneliese Techen und ihr Mann Lothar sind 1979 in ihre Wohnung am Kroonhorst gezogen. Die Wohnungen mit viel Platz, Zentralheizung und modernen Bädern waren für junge Hamburger Familien hochattraktiv. Für die Techens sind sie das bis heute. „Wir fühlen uns nach wie vor sauwohl in unserem Born, um es mal deutlich zu sagen“, pflichtet Lothar Techen seiner Frau bei. Auch für Eric Aumayer (32) gab die geräumige, praktisch aufgeteilte Wohnung vor rund vier Monaten den Ausschlag, in den Osdorfer Born zu ziehen. „Es gab schon einige Freunde und Verwandte, die wissen wollten, ob ich mir das auch gut überlegt habe“, berichtet Eric Aumayer. „Davon habe ich mich nicht beirren lassen und wohne jetzt sehr gern hier.“

Warum lebt es sich gut in diesem Quartier? Lothar Techen bringt es auf den Punkt: „Wir wohnen sehr ruhig, mitten im Grünen und haben alles, was wir brauchen, direkt vor der Tür.“ Der Osdorfer Born liegt am westlichen Rand Hamburgs an der Grenze zu Schleswig-Holstein und nur ein paar Schritte entfernt von der Feldmark mit ihren Wiesen und Weiden. Der Helmut-Schack-See ist Naherholungsgebiet und Lieblingsplatz vieler Borner. Anders als in den Anfangsjahren der Siedlung werden heute durch Einkaufszentrum, Ärztehaus, Schulen und Kitas alle wichtigen Bedürfnisse vor Ort abgedeckt.

Über die fast schon verblüffende Ruhe und Naturnähe hinaus gibt es aber noch etwas, was den Born ausmacht: Hier leben Menschen aus rund 70 Nationen grundsätzlich entspannt, gelassen und offen miteinander. Die unterschiedliche Herkunft ist nicht das Besondere, sondern die Normalität. Und es lebt sich hier wie in einem Dorf – die Bewohner der umliegenden Häuser kennen einander zumindest vom Sehen und die Menschen leben miteinander, nicht anonym nebeneinanderher. Das ist jedenfalls die Erfahrung von Anneliese und Lothar Techen.

Für eine gute Lebensqualität werden viele aktiv. Auch Lothar Techen ist seit vielen Jahren Mitglied der „Borner Runde“ – ein Bürgerbeteiligungsgremium und Teil des Netzwerkes. Dieses arbeitet aktiv daran, dass sich ihr Quartier gut entwickelt. Dazu gehört unter anderem die öffentliche Verkehrsanbindung, die durch den Metrobus 3 bereits erheblich verbessert wurde. Auch die attraktive Gestaltung der Durchgangsstraße Bornheide und der Bau des Bürgerhauses gehen auf das Engagement der „Borner Runde“ zurück.

Wie geht es weiter mit dem Born? Von Stillstand oder gar Rückschritt könne keine Rede sein, finden Lothar und Anneliese Techen. Im Born-Center findet sich neben Lebensmittel-Vollsortimenter, Drogeriemarkt und zahlreichen weiteren Geschäften demnächst auch ein großer Discounter, der das Angebot ergänzt. Der Wohnungsbestand wird nach und nach fit für die Zukunft gemacht. Der SAGA gehören rund 3.400 Wohnungen in den Hochhäusern und zwei- bis vierstöckigen Häuserzeilen, die im Laufe der Jahre mit großem Aufwand voll oder teilweise modernisiert werden. Sichtbar wird das bereits am Hochhaus Achtern Born 83 – beim Bau das höchste Wohnhaus Hamburgs und mit seinen 20 Etagen für viele das typische Gebäude des Stadtteils. Hier wurden unter anderem Fassade und Balkone schon vollständig erneuert. Auch über Neubauten wird am Born nachgedacht. Gute Aussichten für die überdurchschnittlich vielen Familien mit Kindern, die hier wohnen. Und für alle, die den Born bis jetzt nur vom Hörensagen kennen, lohnt es sich, auf Entdeckungstour zu gehen.

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