so geht Mobilität

Johanna Küther testet das Mobilitäts-Angebot in Hamburg
Johanna Küther testet das Mobilitäts-Angebot in Hamburg
Ausgabe 5 / 2017

einsteigen, umsteigen, aufsteigen Hamburger brauchen kein eigenes Auto, um mobil zu sein. Unsere Mitarbeiterin Johanna Küther hat es ausprobiert

Nervös tippe ich die vierstellige PIN in mein Handy und steige in ein Raumschiff, das für die nächsten Stunden meins sein wird. Denn was zumindest von außen noch wie ein Auto wirkt, ist von innen ein Hightech-Mobil ungeahnter Komplexität. Im Innenraum des BMW i3 strahlt mich eine Armee leuchtender Schalter alarmierend an. Dass ich nicht schweißgebadet und unverrichteter Dinge mein futuristisches Gefährt wieder verlasse, verdanke ich einem Erklär-Video, mit dem ich am Abend zuvor das Sommerloch des  deutschen Fernsehprogramms gefüllt habe. Zielsicher drücke ich daher den Startknopf und das Display leuchtet auf. Freundlich erinnert es mich daran, zum Starten des Autos die Bremse zu treten. „Betreutes Fahren“, denke ich und komme dem Wunsch meines virtuellen Fahrlehrers nach. Nun lese ich „Ready“ auf dem Display. Durchaus hilfreich, denn dass das Auto startklar ist, erahne ich nur an dem minimal hörbaren Surren. Auch wenn ich mich nicht annähernd so „ready“ wie mein Auto fühle, trete ich das Gaspedal und fahre mit dem mir bis zu diesem Zeitpunkt „unbekannten Flugobjekt“ davon. Gefühlt schwebe ich wie auf einer Luftschicht – zehn Zentimeter über der Fahrbahn. Auf den grün gesäumten Straßen gleitend, unberührt vom Großstadtverkehr und erhaben über die so in die Kritik geratenen Verbrenner. „Ground Control to Major Tom“, singt die Stimme in meinem Kopf, während ich elektrisiert in den Rückspiegel schaue, als ich mühelos die anderen Verkehrsteilnehmer an der Ampel stehen lasse. Ich, die gerne auch ungefragt eine autofreie Mobilität predigt, stelle leicht irritiert fest, dass Autofahren Spaß machen kann. Ob ich das auch am Abend im Beisein von Autobesitzern zugeben mag, weiß ich noch nicht. Erstmals bemerke ich, wie viele Ladestationen, die in roter Signalfarbe auf sich aufmerksam machen, meinen Weg säumen. Eines dieser Energiestäbchen liegt in der HafenCity. Der Wind rauscht zwischen den Häuserschluchten der Neubauten hindurch, als ich dort aus dem Auto steige. Das Blau der für Elektrofahrzeuge gekennzeichneten Parkplätze leuchtet mit dem der angrenzenden Elbe um die Wette. Anders als zu Beginn der Fahrt ist nun doch etwas genau dort, wo ich es vermute. Wo sich normalerweise der Tankdeckel verbirgt, finde ich den Anschluss für das Ladekabel. Auftanken könnte das Auto wirklich jeder, starten hingegen nicht unbedingt. Für meine Tour durch die Touristenmenge in der Innenstadt lasse ich das Auto Auto sein. Ich steige um – aber nicht ein, denn den Bus sehe ich nur noch von hinten. Wann das ersatzweise entliehene StadtRAD abfährt, entscheiden meine Beine hingegen selbst. Ähnlich leise wie der vierrädrige Untersatz zuvor, eignet sich das Zweirad ohnehin besser für das Fortkommen in der Altstadt. Schlängelnd bahne ich mir meinen Weg durch den sommerlichen Urlauberansturm und kehre nach einiger Zeit vom Wind durchgepustet wieder zu meinem brav wartenden motorisierten Begleiter zurück. Energiegeladener als ich bringt er mich heimwärts in den Hamburger Norden. Kurz vor Ende meiner Fahrt löst sich dann die Luftschicht auf, auf der ich mich schwerelos durch die Stadt bewegt habe. Enttäuscht stelle ich fest, dass Raumschiffe dieselben Parkplatzprobleme haben wie das Pendant mit Verbrennungsmotor. Ich lasse das Auto zurück und nehme die Leichtigkeit mit, mit der es mich die letzten Stunden durch die halbe Stadt getragen hat. Jetzt verstehe ich zum ersten Mal, was Fahrvergnügen bedeutet. Und das gebe ich jetzt auch gerne zu. Nichtsdestotrotz genieße ich die Freiheit, jederzeit aus-, um- oder aufsteigen zu können.

Einfach mobil Hamburger brauchen kein eigenes Auto, um mobil zu sein. Neben dem gut ausgebauten Bus-, U- und S-Bahn-Netz stehen verschiedene Fahrzeuge für den individuellen Einsatzbereit – vom Fahrrad über das E-Auto bis zum Transporter.

Sharing für alle Neben dem Wohnen ist die Mobilität ein zentrales Bedürfnis. Für beides wird der Platz in der wachsenden Stadt Hamburg immer knapper. Die Idee des „Sharings“, also des Teilens von Fahrzeugen, kann dabei helfen, die PKW-Dichte in der Stadt zu verringern. Wer auf das eigene Auto verzichtet, spart meist eine Menge Geld und kann dennoch jederzeit mobil sein – und das mit dem Fahrzeug, das gerade am besten passt.

e-Quartier Hamburg Über eine Zusammenarbeit mit SHARE A STARCAR beteiligt sich die SAGA am Projekt e-Quartier Hamburg, das Elektrofahrzeuge als unkomplizierte Mobilitätslösung in verschiedenen Quartieren zur Verfügung stellt. Die Nutzungspreise von SHARE A STARCAR liegen bei 1,99 Euro pro Stunde bzw. 29 Euro pro Tag zuzüglich 0,29 Euro pro gefahrenem Kilometer (inklusive Strom). Alle Mieter der SAGA erhalten bei der Anmeldung ein einmaliges Startguthaben von 19 Euro.

Vor der Haustür Zurzeit gibt es fünf SHARE A STARCAR-Stationen in SAGA-Quartieren:  Mümmelmannsberg, Osdorfer Born, Hammer Kirche, Am Weißenberge in Langenhorn und im Holsteinischen Kamp in Dehnhaide. Weitere Informationen unter: www.share-a-starcar.de

Zum Projekt e-Quartier Hamburg gehören außerdem die Stationen des Anbieters cambio CarSharing. Sie liegen in Barmbek-Nord am Andreas-Knack-Ring/Ecke Alfred-Johann-Levy-Straße, in Eimsbüttel am Heußweg 39 und in Altona an der Behringstraße 28a, also ebenfalls sehr gut für viele SAGA-Mieter zu erreichen. cambio CarSharing bietet unterschiedliche Tarifmodelle an. Mehr Informationen dazu unter: www.cambio-carsharing.de

switchh ist das Kombipaket für clevere Mobilität in Hamburg. Mit nur einer Anmeldung erhalten die Nutzer Zugriff auf die Fahrzeuge von car2go, DriveNow, cambio und StadtRAD Hamburg. Das sind mehr als 1.500 Autos und über 2.400 Fahrräder. switchh kostet pro Monat 8,99 Euro. Dafür erhalten die Mitglieder monatlich jeweils 20 Freiminuten bei car2go und DriveNow. Außerdem gibt es Startguthaben bei allen Partnern. Ein weiterer Vorteil von switchh ist die gute Verknüpfung mit dem öffentlichen Nahverkehr des HVV: Zahlreiche switchh-Punkte im Stadtgebiet erlauben das bequeme Umsteigen von einem Verkehrsmittel aufs nächste. Alles Weitere unter: www.switchh.de

Elektroroller Neu in Hamburg sind die roten Elektroroller von Emmy, die man in der Innenstadt, in Altona, Eimsbüttel, Winterhude und Barmbek-Süd leihen kann. Ein Autoführerschein reicht für den elektrischen Fahrspaß auf zwei Rädern. Infos unter: hamburg.emmy-sharing.de