Stricken im Winter

Ran an die Nadeln, fertig, los!
Ran an die Nadeln, fertig, los!
Ausgabe 6 / 2018 Ausgabe als PDF speichern

MASCHE FÜR MASCHE: Stricken entschleunigt das Gedankenkarussell, denn mit ein wenig Übung gleiten Nadeln und Garn wie von selbst. Und ganz nebenbei entstehen wunderschöne Einzelstücke – vom Zopfpulli über die Kaschmirmütze bis hin zu kuschligen Babysocken. Und das ist doch genau das, was wir im kalten Hamburger Winter brauchen, oder?

HAMBURGER WOLLFABRIK

Zwei Fäden Merino in Hellgrau, ein Faden Baumwolle in Anthrazit und drei Fäden Angora in Pink: Wer sich seine Wolle individuell zusammenstellen will, macht einen Abstecher zur Hamburger Wollfabrik in Rothenburgsort. Hier türmen sich zahlreiche Garne in unzähligen Farben – jeweils einfädig. Eine Spulmaschine wickelt die Wunschkombination in der benötigten Länge auf eine Spule. So spart man sich auch das lästige Verbinden, wenn ein Knäuel aufgebraucht ist. Übrigens: Mit den passenden Nadeln kennen sich die Mitarbeiter in der Wollfabrik ebenfalls bestens aus. www.hamburger-wollfabrik.de

STRICKTREFFS AN JEDER ECKE

Ob Elternschule, Kirchengemeinde, Stadtteiltreff, Bürgerhaus, Kulturladen oder Bücherhalle – in ganz Hamburg gibts Stricktreffs, wo sich Ungeübte jede Menge Profitipps holen können. Klönschnack, Kaffee und Kekse inklusive. Wo bei Ihnen um die Ecke die Nadeln klackern – das finden Sie heraus auf dem Portal Hamburg aktiv unter: www.hamburg-aktiv.info

STRICKEN FÜR DEN GUTEN ZWECK

Für ein warmes Hamburg sorgen die Wooligans. Die Initiative trifft sich jeden dritten Sonntag im Monat und strickt für Obdachlose Mützen, Socken, Handschuhe oder Schals. Auch Anfänger und Wollspenden sind willkommen. Die nächsten Termine gibts online: www.wooligans.net

AUCH MÄNNER STRICKEN

Wer glaubt, mit Stricken haben nur Frauen etwas am Hut, irrt gewaltig. Früher haben sogar Soldaten ihren Sold mit Stricken aufgebessert – festgehalten zum Beispiel vom Maler Carl Spitzweg. Diese und noch viel mehr Geschichten rund um Garn und Nadeln hat Ebba D. Drolshagen festgehalten in ihrem Buch „Zwei rechts, zwei links. Geschichten vom Stricken“. Erschienen im Suhrkamp Verlag.

handgefärbte Garne, umweltschonende Wolle

MANJA VOGELSANG strickt seit ihrem neunten Lebensjahr und wird nervös, wenn sie ihr Strickzeug nicht dabeihat. Nachschub gibt es in ihrem Wollgeschäft „Maschenwunder“, Bramfelder Chaussee 235

Was sind die aktuellen Trends beim Stricken?

Ich glaube, das ist in den einzelnen Geschäften sehr unterschiedlich. Bei mir fragen gerade immer mehr Leute nach handgefärbten Garnen. Diese Wolle hat viel mehr Leuchtkraft als Industriegarne. Jeder Strang wird von Hand einzeln gefärbt. Das ist so, als würde man ein Aquarell mit einem Druck von einem Aquarell vergleichen. Oft verwenden die Färber ökologische Farben und sie achten auf tierfreundlich produzierte Wolle.

Sie machen auch Strick-Hafenrundfahrten. Was verbirgt sich dahinter?

Die Rundfahrten finden drei-, viermal im Jahr statt, immer sonntags. Dann schippern wir mit der Barkasse durch den Hafen, klönen und stricken. Das macht richtig Spaß. Für die letzte Rundfahrt habe ich mir Wolle färben lassen in den Farben Möwenschiss, Barkasse Alex und Elbwasser-Ölgemisch. Und genauso wie die Farben heißen, sehen die auch aus. Der Möwenschiss zum Beispiel ist ein schmutziges Grau-Weiß-Grün.

Haben Sie Tipps, wo man sich Anregungen holen kann?

Besonders für Leute, die mit handgesponnenen Garnen arbeiten, eignet sich die Online-Community ravelry.com. Da gibt es jede Menge Anleitungen und Fotos, man kann sich auch in Gruppen verbinden. Auch andere soziale Netzwerke wie Instagram, Pinterest und Facebook liefern Inspiration. Am Kiosk gibt es inzwischen eine große Bandbreite an reinen Strickzeitschriften und auch die klassischen Frauenmagazine haben mindestens einmal im Jahr eine Strecke mit Handgestricktem. Und dann empfehle ich Stricktreffs, gerade wenn man neu in der Stadt ist. Die Leute sind so freundlich und aufgeschlossen, man hat sofort ein gemeinsames Thema. Das macht es ganz leicht, neue Menschen kennenzulernen.

Kommen denn auch Männer zu Ihnen in den Laden?

Das ist schon sehr überschaubar: Auf 50 Kundinnen kommt etwa ein Mann. Ich kenne aber einige Männer, die richtig tolle Sachen machen. Deshalb: nur Mut!

Ausgabe als PDF speichern