Der Festmacher

Foto: Cornelius M. Braun
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Ausgabe 3 / 2020 Ausgabe als PDF speichern

Es ist einer der ältesten, wichtigsten und härtesten Jobs im Hamburger Hafen. Denn ohne sie läuft hier nichts. Rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr sind die Festmacher mit ihren kleinen Booten bei jedem Wetter unterwegs, um Kreuzfahrtschiffe, Frachter und Containerriesen im Hamburger Hafen sicher zu vertäuen. Einer von ihnen ist SAGA- Mieter Frank Kremser. Wir haben ihn bei seiner Arbeit begleitet.

Samstag, 5 Uhr morgens: Die Stadt schläft noch tief und fest, während Frank Kremser im Ellerholzhafen schon längst bei der Arbeit ist. Hier liegt die „Lütt Deern“, ein neun Meter langes Festmacherboot, das der 49-Jährige gleich hinaus auf die Elbe steuern wird. Ungewöhnliche Arbeitszeiten gehören in seinem Job als Festmacher zum Alltag. Denn Schiffe kommen zu jeder Tages- und Nachtzeit und dann stehen Frank Kremser und seine Kollegen der H.S.H. Festmachergesellschaft parat. Die Fahrt führt durch den nächtlichen Hafen. Der Frühlingsmond spiegelt sich im glatten Wasser. Es geht vorbei an Containerterminals und unter der Köhlbrandbrücke hindurch bis zum HANSAPORT. Dort liegt die „Darya Ma“, ein rund 220 Meter langer Massengutfrachter aus Hongkong. Bis zu 82.000 Tonnen Schüttgut kann der Riese laden. Frank Kremser und seine Kollegen müssen die „Darya Ma“ losmachen und wenig später an einem neuen Liegeplatz wieder festmachen. Doch jetzt heißt es erst einmal warten. Punkt 6 Uhr gibt es das Zeichen: Die Festmacher klettern vom Boot auf die Kaimauer und lösen die schweren Taue von den Pollern. Das dauert nur wenige Minuten. Die „Darya Ma“ setzt sich in Bewegung, zwei Schlepperboote ziehen sie an ihren neuen Liegeplatz.

Beim „Anbinden“, wie Frank Kremser es nennt, ist höchste Konzentration und vor allem Teamarbeit gefragt. Mit zwei Booten sind die Festmacher jetzt unterwegs. Sie müssen auf die hohen Dalben klettern. Das sind massive, in den Elbgrund gerammte Pfähle, an denen die Taue der „Darya Ma“ befestigt werden. Frank Kremser fährt unter das Heck des Schiffes. Dort übernimmt er eine heruntergelassene Leine. Daran sind die schweren Taue befestigt, die auf die Dalben gezogen und um die Poller gelegt werden. Heute läuft alles nach Plan, das Wetter ist gut. Das ist nicht immer so. „Im Winter ist das ein anderer Schnack“, betont Frank Kremser. „Wenn es mal richtig kalt ist und die schweren Schiffstaue sich mit Wasser vollsaugen, gefrieren die sofort. Das ist Knochenarbeit.“ Auf den rutschigen Dalben und an den Kaimauern ist es außerdem gefährlich. Arbeitssicherheit steht daher an oberster Stelle. Schutzhelm und Rettungsweste sind Pflicht. Nach rund 90 Minuten ist der Einsatz vorbei. Bis zu sieben Schiffe betreut Frank Kremser täglich. Doch wegen der Corona-Krise ist derzeit weniger los. „Kreuzfahrtschiffe kommen gerade gar nicht mehr. Auch Barkassen sind nicht unterwegs“, erzählt er. „Für die Touristen ist es sonst immer ein Highlight, uns bei der Arbeit zu beobachten.“ Zwölf Stunden dauert eine Schicht. Der gelernte Gas- Wasser-Installateur kam vor 13 Jahren als Quereinsteiger in den Hafen. In seiner SAGA- Wohnung am Fischmarkt wohnt er zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern. „Dort bin ich aufgewachsen und möchte auch nie wieder weg.“

 

Text: Gunnar Gläser | Foto: Cornelius M. Braun

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