Persönlich

"Ich möchte etwas zurückgeben"

Dabei weiß er genau, wie schnell Lebensträume zerplatzen. 1992 ist Akanno zum Studieren nach Deutschland gekommen, doch sein nigerianisches Abitur wurde nicht anerkannt. Kein Geld, keine Freunde und nur ein paar Brocken Deutsch – und trotzdem ist er seinen Weg gegangen. Heute ist der Mann, der gerne und viel lacht, verheiratet und Vater von drei Söhnen. Er arbeitet als Busfahrer bei der Hochbahn und sorgt in seiner Freizeit dafür, dass sich Menschen aus aller Herren Länder in Hamburg zu Hause fühlen. „Ich lebe inzwischen so lange hier. Mit meinen Erfahrungen möchte ich anderen helfen und Menschen zusammenbringen“, erklärt Henry Akanno.

Sein Verein „Miteinander in Bergedorf“ hilft Zugewanderten in praktischen Fragen – angefangen bei der Wohnungs- und Jobsuche bis zur Dolmetschervermittlung. Am meisten am Herzen liegen ihm die vielen Veranstaltungen, die er auf die Beine stellt, oft im KulturA, dem Kulturzentrum in Neuallermöhe. 2014 hat er zum Beispiel das erste Willkommensfest für Flüchtlinge in Bergedorf organisiert. Im letzten Jahr gab es eine interkulturelle Modenschau, wo traditionelle Kleider vom ganzen Erdball zu sehen waren. Mit 50 Flüchtlingen hat er den Bundestag in Berlin besucht; auf Rundgängen für Neu-Bergedorfer zeigt er seinen Stadtteil. Und immer wieder gibt es interkulturelle Filmabende, bei denen landestypische Speisen auf das Buffet kommen. Alles ehrenamtlich organisiert und kostenlos, versteht sich. „Ich möchte die verschiedenen Kulturen sichtbar machen und den Austausch fördern. Die Leute sollen miteinander ins Gespräch kommen“, erklärt Henry Akanno. Für sein Engagement haben ihn die Bergedorfer Zeitung und die Volksbank Bergedorf/Stormarn ausgezeichnet – mit dem Bergedorfer Bürgerpreis. Das Preisgeld von 2.000 Euro hat er seinem Verein gespendet, davon wird ein neuer Computer gekauft.

Was er seinen drei Söhnen – 11, 10 und 8 Jahre alt – mit auf den Weg geben möchte? „Jeder soll selbst entscheiden, was er mit seinem Leben anfängt. Ich finde, jetzt sollen sie sich auf die Schule konzentrieren“, erklärt er lächelnd. Aber dann erzählt er doch stolz, dass auch schon seine Jungs Unterschriften sammeln, wenn ihnen ein Thema am Herzen liegt. Sie fühlen sich in Neuallermöhe genauso verwurzelt wie Vater Henry. Manchmal fährt er sogar in seiner Nachbarschaft Bus. „Wenn ich dann in den Rückspiegel gucke und so viele vertraute Gesichter sehe – das ist für mich das Größte.“

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