Persönlich

Geknickt, gefaltet, gerollt - Zaubereien aus Papier

Kaum hat Ismet Apaydin, genannt „Isi“, einige seiner Werke für uns ausgebreitet, nahen neugierige Besucher. So wie an diesem Nachmittag im Café der Hamburger Kunsthalle, ist es immer, wie ein Kollege schmunzelnd erzählt. Staunend werden die filigranen Papier-Figuren betrachtet. Und – nach einem fragenden Blick zu Isi – vorsichtig in die Hand genommen. Der freundliche Mitarbeiter der Kunsthalle kennt diese Reaktionen und freut sich über die offenkundige Anerkennung der Gäste – immer wieder.

Seit rund 15 Jahren verarbeitet Ismet Apaydin abgerissene Abschnitte der Eintrittskarten. „Isigami“ nennt er selbstbewusst seine eigene Kunstform. Fast nebenbei nimmt der 61-Jährige sieben Schnipsel zwischen die Finger. Während Isi sich weiter mit seinem Publikum unterhält, faltet, kneift, ritzt, rollt und schiebt er das Papier – bis plötzlich ein Frosch auf seiner Handfläche liegt. Wenn er dann geschickt auf das Hinterteil drückt, hüpft der Papierfrosch wie ein echter.

Dies ist seine kleinste Figur, die oft zwischendurch beim Warten auf Besucher in der Kunsthalle entsteht. Andere Arbeiten bastelt Isi in seiner Freizeit zu Hause. „Mein Problem ist von jeher, dass ich die Finger nicht still halten kann“, erklärt Apaydin verschmitzt.

Als Kind einer Handwerkerfamilie war er es gewohnt, selbst zu bauen – Pfeil und Bogen oder Seifenkisten. Bauen wollte der gebürtige Türke auch als Erwachsener und begann ein Architekturstudium in Ankara. Doch wegen der damaligen innenpolitischen Wirren reiste er als 24-Jähriger nach Hamburg. Und blieb. Zahlreiche bürokratische Hindernisse verhinderten eine Fortsetzung seines Studiums.

Doch der junge Ismet gab sich nicht auf. Er schlug sich mit zahlreichen Jobs durch, betrieb viele Jahre einen Imbiss und kam vor 15 Jahren als Aufsicht zur Kunsthalle. Nur still stehen – das ist nicht seine Sache. Und so begann anfangs unbemerkt seine künstlerische Karriere. Feuerwehrautos, Flugkörper, Fabelwesen, Hunde, Pinguine und vieles mehr sind im Laufe der Jahre entstanden. „Sogar einen Isifanten habe ich mal für Otto Waalkes gemacht“, erzählt er.

Seine größten Objekte sind ein etwa 1,60 Meter großer Fernsehturm aus mehreren Hundert Abschnitten und ein Riesenrad, das sich sogar dreht. „Und dank meiner Kollegen bin ich immer gut mit Material versorgt.“ Einen Traum gibt es noch: Ismet Apaydin würde gerne die ganze Kunsthalle aus Papier nachbauen. Dafür fehlen im Moment aber noch der Platz und die Zeit. Und solange sich die Kinder über seine hüpfenden Frösche freuen, ist er ein zufriedener Mensch.

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„Ich bin eine große Träumerin und Verfechterin, was Neuallermöhe betrifft.“ So beschreibt Alexandra Quast ihre Leidenschaft für das Quartier in Hamburgs Osten. Sie lebt und arbeitet dort - voller Begeisterung und mit Herzblut.