Quartier

halb Natur, halb Stadt

Es ist einer dieser Sommertage, an denen sich jeder freut, der einen Garten hat. Tatjana Khalimi hat sogar zwei: einen kleinen Vorgarten gleich vor ihrer Terrasse, der zweite ist ein neuer Nachbarschaftsgarten direkt davor. „Ich konnte es gar nicht glauben, als die Einladung zum gemeinsamen Gärtnern in meinem Briefkasten lag“, erinnert sich die 44-Jährige, „das ist so ein tolles Projekt.“ ProQuartier hat im Frühling begonnen, die Grünfläche neben ihrem Wohnhaus in der Grunewaldstraße zu einem Gemeinschaftsgarten umzugestalten, und alle Nachbarn dazu eingeladen, um die Kommunikation im Stadtteil zu fördern. Tatjana Khalimi war von Anfang an dabei, kümmert sich jetzt um das gemeinsam gepflanzte Apfelbäumchen, die Erdbeer- und Blumenbeete. Ihren Fahrradschuppen hat sie der Gruppe als Lager für die Schaufeln und die anderen Gerätschaften zur Verfügung gestellt.

Als pharmazeutisch-technische Assistentin arbeitet sie in einer Apotheke. „Nach einem langen Arbeitstag mit vielen Kunden ist das Gärtnern ein schöner Ausgleich“, sagt SAGA-Mieterin Khalimi, die seit 17 Jahren mit ihren zwei Söhnen in der Erdgeschosswohnung wohnt. „Es ist wunderbar ruhig und grün hier“, schwärmt sie über die Siedlung. In wenigen Minuten ist sie mit dem Rad am Arbeitsplatz oder am Einkaufszentrum Berliner Platz. Zum Spazierengehen läuft sie von ihrem Hochhaus einfach über die nahe Landesgrenze nach Schleswig-Holstein, durch Kleingartensiedlungen, Rapsfelder und Naturschutzgebiete. „Man merkt hier gar nicht, dass man in Hamburg ist.“

Das hat auch etwas mit der Entwicklung des Stadtteils zu tun: Jenfeld gehörte mal zu Dänemark und später zu Schleswig-Holstein. Erst 1937 kam es mit Wandsbek zu Hamburg. Zu der Zeit entstanden in Jenfeld große Kasernen und Einfamilienhausgebiete. In einer der Kasernen befindet sich nun die Helmut-Schmidt-Universität. Deren Umgebung im Jenfelder Westen ist bis heute von Einfamilienhäusern geprägt. Ganz anders der Osten, wo die SAGA und andere Wohnungsunternehmen ab den 1960ern jene großen Siedlungen bauten, die für viele Hamburger Jenfeld ausmachen.

Dabei kennen die meisten Menschen Jenfeld nur vom Vorbeifahren auf der Autobahn. Mit Bus und Bahn ist der Stadtteil nicht so gut angebunden. Trotzdem hat Jenfeld mit seiner Nähe zur Natur, mit seinen vielen Parks und Wasserflächen – darunter der Öjendorfer Park und der Moorpark – gerade für Familien und naturverbundene Menschen wie Tatjana Khalimi viel zu bieten. Das merken jetzt immer mehr Hamburger, die der Enge – und den hohen Wohnkosten – der Innenstadt entfliehen wollen. Auf einem ehemaligen Kasernengelände entsteht deshalb gerade das Quartier „Jenfelder Au“ mit künstlich angelegten Teichen und Kanälen. Die ersten von über 2.000 neuen Bewohnern sind bereits in ihre Miet- und Eigentumswohnungen gezogen.

Direkt neben der Jenfelder Au liegt die SAGA-Siedlung Kelloggstraße. Inmitten der Hochhäuser steht das kleine bunte „Malhaus“ vom Verein Freie Kulturinitiative Jenfeld. „Das neue Viertel und seine Bewohner werden zu einer Durchmischung beitragen“, sagt Helga Könings- Schinner, die das Malhaus leitet. „Viele Menschen, die hier schon länger leben, haben weniger Möglichkeiten als Menschen in anderen Stadtteilen. Deshalb legen wir viel Wert auf Bildung und Kreativität.“

Tatsächlich werden im Malhaus auch Malkurse angeboten – aber genauso andere Kurse und Kreativangebote für Kinder und Erwachsene. Es geht um Selbstvertrauen, Lust, sich auszuprobieren, Gemeinschaft und Wertschätzung. Theateraufführungen der Kinder finden daher häufig im Jenfeld-Haus statt – der wichtigsten Kultureinrichtung im Stadtteil. „Es gibt in Jenfeld sehr viele Vereine und soziale Hilfs- und Beratungsangebote für alle Lebenslagen – aber es fehlte lange an kulturellen Angeboten“, erklärt der Leiter des Jenfeld-Hauses Olaf Schweppe-Rother. Seit 1996 bietet das Haus nun Abhilfe. Jenfeld hat seinen alten und neuen Bewohner wirklich viel zu bieten.

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