Quartier

Mitte Altona - in neuen Bahnen

Kinder sind die Zukunft – und Altona Mitte hat sehr viel Zukunft. Der neue Stadtteil auf dem früheren Güterbahngelände ist zwar noch im Bau, aber seit einem Jahr ziehen nach und nach immer mehr Bewohner ein, vor allem Familien wie Anna Blecher (34) und Kevin Kwaku (36) mit ihren Kindern Lameen (8) und der einjährigen Käthe.

„Wir haben den Sechser im Lotto gewonnen“, freut sich die junge Mutter. Vor einem Jahr haben die beiden einen Wohnberechtigungsschein beantragt und sich bei der SAGA gemeldet. Dann ging alles ganz schnell. „Im Februar konnten wir die ersten Wohnungen besichtigen und schon im Mai einziehen.“ 3,5 Zimmer, Küche, Bad auf 87 Quadratmetern.

Vom großzügigen Balkon im 1. Stock schaut die Familie in den Innenhof, wo Töchterchen Käthe spielt – auf dem Spielplatz der Kita im Erdgeschoss. „Das ist schon sehr praktisch, direkt über der Kita zu wohnen“, findet Anna.

Rund 1.600 Wohnungen verschiedenster Genossenschaften, der SAGA und privater Bauträger entstehen derzeit an der Harkortstraße nördlich des Bahnhofs Altona. Als Wahrzeichen dient das auffällige Stahlskelett der alten Güterhalle. Es bildet den Mittelpunkt für den Quartierspark, der bis Ende 2019 entsteht – mit Spielplätzen, Spazierwegen und großer Wiese. Ein zweiter Bauabschnitt soll nach der geplanten Verlegung des Fernbahnhofs folgen und ein dritter auf dem Gelände der Holsten-Brauerei – gut 5.000 Wohnungen entstehen insgesamt in „Mitte Altona“.

Die ersten 700 Wohnungen sind fertig und bezogen, darunter knapp 180 geförderte SAGA-Wohnungen für 6,10 Euro je Quadratmeter kalt. „Bei dieser Miete können wir es uns endlich leisten, nicht beide voll zu arbeiten, nur um überhaupt irgendwo wohnen zu können“, sagt Anna Blecher, die bisher einen Pflegedienst geleitet hat und jetzt eine Auszeit mit den Kindern genießt. Ihr Freund Kevin arbeitet als Schlosser in einer Gießerei.

„Das Tolle an so einem neuen Stadtteil ist ja, dass wir Bewohner jetzt gemeinsam den Stadtteil und die Nachbarschaft prägen“, erzählt Kevin. Die Familien treffen sich häufig auf dem Spielplatz der Grundschule gegenüber und lernen sich so kennen. Wenn wieder jemand einzieht und Werkzeug benötigt oder der Nachbar im Rollstuhl mal Unterstützung braucht, hilft man sich.

Das Quartier soll ein Musterstadtteil werden: familienfreundlich, inklusiv, autoarm und dennoch mobil. „Das finden wir alles richtig gut. Wir haben unser Auto abgeschafft und machen jetzt alles zu Fuß oder mit dem Lastenfahrrad“, erklärt Anna Blecher. „Ärgerlich ist nur, dass vor unserer Haustür Tempo 50 erlaubt ist.“ Direkt an der Harkortstraße gibt es zwei neue Kitas, zwei weitere werden gerade gebaut, dazu eine neue Stadtteilschule, Baugemeinschaften und Wohngruppen für Blinde, Rollstuhlfahrer und ältere Menschen. „Eine Mitte für Alle“ heißt das inklusive Konzept. „Die Stadt fördert hier ein Vorzeigeprojekt – und lässt dann den Durchgangsverkehr durchrasen. Das ist doch absurd und gefährlich“, meint deshalb nicht nur Anna Blecher, die deswegen auch schon zweimal mit ihren neuen Nachbarn demonstriert und die Harkortstraße blockiert hat.

Auch für Nadin Schindel wäre Tempo 30 eine gute Sache. Sie sitzt im Rollstuhl und ist kürzlich in das Haus neben dem von Anna und Kevin eingezogen. „Schlüsselübergabe war am 23. April“, sagt sie. An das Datum erinnert sie sich ganz genau.

Das war der Tag, an dem sie „endlich aus dem Behindertenheim rauskam“ und in eine eigene barrierearme Wohnung einziehen konnte. „Statt mich nach dem Zeitplan des Heims zu richten, kann ich jetzt selbstbestimmt leben – ein unglaublicher Gewinn für mich“, sagt Nadin strahlend. In Kooperation mit dem ambulanten Pflegedienst alsterdorf assistenz west, der hier einen Stützpunkt eingerichtet hat, bietet die SAGA-Unternehmensgruppe 20 Wohnungen für Menschen mit Assistenzbedarf im neuen Viertel. Nadin Schindel freut sich sehr darüber. „Überall um mich herum ist Leben und ich gucke vom Fenster aus dem neuen Park im Werden zu. Das ist spannend!“

PIZZERIA HEAT Erstes Restaurant am Platze: Im Sommer eröffnete das HEAT. Wo früher die Güterbahnverwaltung saß, gibts jetzt in retroschickem Ambiente hervorragende (wenn auch nicht billige) Pizzen und Antipasti. Harkortstraße 81, www.dasmehl.com

MOBILSTATION ProQuartier, ein Tochterunternehmen der SAGA, betreibt im Viertel Hamburgs erste „Mobilstation“, verleiht ab Ende 2018 auch verschiedene Lastenräder und berät Bewohner in allen Mobilitätsfragen. Mitte Altona bekommt außerdem zwei Stadtrad-Stationen. Harkortstraße 91, www.mitte-altona.info

„SCHÖNER WOHNEN IN ALTONA?“ Die „Mitte Altona“ ist Hamburgs größtes Bauvorhaben nach der HafenCity und spiegelt die heutigen Ideale der Stadtentwicklung wider. Diese ändern sich ständig. Wie sehr, zeigt die aufschlussreiche und von der SAGA mitgeförderte Ausstellung noch bis zum 24. Juni 2019. Altonaer Museum, Museumstraße 23

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