Quartier #neugebaut

Oase zwischen Apfelbäumen

Vogelzwitschern und Traktorengeräusche: Neuenfelde gehört zwar zu Hamburg, doch reihen sich hier Apfelplantagen und wunderschöne Bauernhäuser aneinander. Ein Paradies für alle, die Ruhe suchen. Aber auch Kulturfans kommen auf ihre Kosten. 

Wer das Dörfchen vis-à-vis von Blankenese entdecken will, startet am besten mit einem Besuch auf dem Obsthof „Im Apfelgarten“. Rund um den Hof stehen Apfelbäume, so weit das Auge reicht. Seit Jahrhunderten wird auf dem fruchtbaren Marschboden im Alten Land Obst angebaut. Nicht mal einen Kilometer vom Hof entfernt lebt Familie Köppen in einem über 100 Jahre alten Gründerzeithaus der SAGA.

Vor zwei Jahren ist die Familie eingezogen, vorher hat das Schmuckstück fast 15 Jahre leer gestanden. Denn mit der Erweiterung des Airbus- Geländes hatte die Stadt Hamburg Dutzende Häuser gekauft, um Klagen von Anwohnern zu verhindern. Immer mehr Menschen zogen damals weg. 2010 ergab ein Lärmgutachten, dass hier doch gewohnt werden darf. Heute gehören die Häuser der SAGA und rund um die Hasselwerder Straße ist wieder jede Menge los. Uwe Burg, der die Sanierung für die SAGA organisiert hat, erzählt: „Das ist eine richtige Oase hier. Vor allem für Familien, die viel draußen sein wollen, ist dieses Dorf ein Paradies.“

 

DAS LEBEN FINDET DRAUSSEN STATT

Auch Familie Köppen gehts hier richtig gut: „Eine der ersten Anschaffungen war ein Aufsitz-Rasenmäher für den riesigen Garten“, lacht René Köppen. Die beiden Töchter gehen im Dorf reiten und abends sitzt die Familie gern mit Freunden und Nachbarn an der Feuerstelle. Mit Birnen, Äpfeln, Pflaumen und Walnüssen versorgen sie sich selbst – die wachsen nur ein paar Schritte von ihrem Haus entfernt auf dem alten Deich. Ihren Entschluss, ins Alte Land zu ziehen, haben sie nicht bereut.

Lebensqualität geht vor. Und wie laut ist der Nachbar Airbus? Die Köppens winken ab: „Es ist zehn Sekunden laut, dann ist wieder Ruhe. Und wenn das Transportflugzeug Beluga oder der A380 übers Haus schweben, das ist einfach sehr beeindruckend.“

 

BESONDERER NEUBAU

Lauter ist hingegen das Treiben in der Nachbarschaft: Radlader und Bagger rollen, es wird gehämmert und gebohrt. Rundherum baut die SAGA 37 Reihenhäuser und drei Mehrfamilienhäuser. Im September ziehen die ersten Mieter ein, im Frühjahr 2021 soll alles fertig sein. „Das ist ein sehr besonderes Projekt – fernab vom Standard“, sagt Projektleiter Mattis Gast: „Die Gebäude werden in der Umgebung kaum auffallen. Statt Neubauten könnten es auch modernisierte alte Häuser sein.“ Prägend für die Architektur im Alten Land sind zum Beispiel die zur Straße ausgerichteten Giebel und die schmalen, hohen, symmetrisch angeordneten Fenster. Fassadenverzierungen und Hecken zum Eingrenzen der Grundstücke sind ebenfalls typisch für Neuenfelde. All das findet sich auch bei den neuen Häusern. Sie reihen sich in die Neuenfelder Baukultur ein, damit langfristig die besondere städtebauliche Eigenart und Gestalt in diesem Quartier gewahrt wird. Dafür stand die SAGA gemeinsam mit dem Bezirk Harburg in engem Austausch mit Anwohnern und dem Bürgerdialogkreis Neuenfelde. Entworfen hat die Gebäude schließlich WEGENERARCHITEKTEN BDA, für die Ausführung ist die Kathmann Bauunternehmung zuständig. Die Reihenhäuser bieten mit bis zu über 100 Quadratmeter Wohnfläche Platz für Familien. Die Wohnungen in den Mehrfamilienhäusern haben zwei bis dreieinhalb Zimmer.

 

REETDACHHÄUSER ZWISCHEN WASSERGRÄBEN

Die neuen Nachbarn können in Neuenfelde jede Menge entdecken. Zum Beispiel die barocke Pfarrkirche St. Pankratius mit ihren beeindruckenden Malereien im Deckengewölbe. Hier liegt auch der berühmte Orgelbaumeister Arp Schnitger begraben, und bei den Neuenfelder Orgelmusiken können Musikliebhaber dem 1688 erbauten Instrument lauschen. Am besten lässt sich Neuenfelde übrigens per Fahrrad erkunden. Überall zeigt sich: Der Obstanbau hat das Dorf geprägt. Wassergräben durchziehen das Land, zauberhafte Reetdachhäuser und alte Höfe wechseln sich ab. In den Hofläden gibts zur Erntezeit Kirschen, Himbeeren, Pflaumen oder Birnen und das ganze Jahr über Säfte, Äpfel oder Marmeladen. Besonders stolz sind die Neufelder auf ihr Vereinsleben – ob nun plattdeutsche Kaffeestunde, Reitturnier oder Weihnachtsmarkt. Der Schützenverein vermeldete Anfang des Jahres sogar einen Mitgliederrekord, darunter viele junge Leute. Ein echtes Highlight ist übrigens auch ein Abstecher zum Este-Sperrwerk in Neuenfelde. Von hier aus lässt sich bestens den dicken Pötten nachschauen, die gemächlich auf der Elbe vorbeiziehen.

 

TIPPS

 

Altländer Prunkpforten

Die reich verzierten und fantasievoll geschnitzten Tore sind typisch für die Bauernhäuser im Alten Land. Seit Ende des 17. Jahrhunderts ließen sich wohlhabende Altländer ihre Hofzufahrten damit schmücken. Häufig sind sie weiß und mit farbenprächtigen Schnitzereien verziert.

 

Geschichten aus Apfelkisten

Was zeichnet das Alte Land aus? Wie funktioniert der Deichbau? Und wie wurde in den 1970er- Jahren auf der Neuenfelder Werft Pella Sietas gearbeitet? In der großen Erntekiste gibts auf Knopfdruck Geschichten aus der Region und sogar plattdeutsche Gedichte.

Neuenfelder Fährdeich 18, 21129 Hamburg

www.apfelgarten-altesland.de

 

Früchtetankstelle Hof Diercks

Wer am Sonntagnachmittag Lust auf Vitamine bekommt, macht bei der Früchtetankstelle Station. Hier kommen Obst, Honig und Säfte aus dem Automaten – 24 Stunden pro Tag, sieben Tage pro Woche. Besonders Durstige bekommen zum Apfelsaft gleich einen Becher dazu.

Marschkamper Deich 77, 21129 Hamburg

www.obsthof-diercks.de

 

Text: Andrea Guthaus | Fotos: Cornelius M. Braun

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