Persönlich

„Ich verbinde meine Fahrradleidenschaft mit meinem Beruf als Historiker“

Für Lars Amenda war das Radfahren lange so ähnlich wie das Atmen: Man macht es, ohne viel nachzudenken. Heute erforscht er den Radsport und genießt das Radeln bewusst.

Die Liebe für die Geschichte zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Lars Amenda. Der gebürtige Elmshorner hat in Hamburg Geschichte studiert. In seiner Freizeit gräbt er in der Historie des Radfahrens. Und wie sollte es anders sein: Das Haus, in dem der SAGA-Mieter seit 25 Jahren lebt, steht unter Denkmalschutz. Es wurde genau 100 Jahre vor Amendas Geburt – nämlich 1870 – in Altona-Altstadt gebaut.

Rad gefahren ist Lars Amenda eigentlich schon immer. Als Jugendlicher tourte er mit dem Rad durch die norddeutsche Provinz, später nutzte er seinen Drahtesel ausschließlich als Verkehrsmittel, um von A nach B zu kommen. Aber vor neun Jahren packte ihn das Radfieber so richtig: „Ich bin in die Langstreckenszene geraten und habe dort verwegene Typen kennengelernt“, erklärt er. 2015 hat er beim Radmarathon Paris–Brest–Paris mitgemacht. Die 1.250 Kilometer von der französischen Hauptstadt zum Atlantik und zurück strampelte er in 73 Stunden runter. Ein Test für Körper und Geist.

Nebenbei bringt er seine beiden Leidenschaften zusammen. Lars Amenda erforscht die Geschichte des weltweit ältesten Radfahrvereins, des Altonaer Bicycle-Clubs von 1869/80 – kurz ABC. Gegründet wurde der Verein 1869 von einigen Kaufleuten unter dem Namen Eimsbütteler-Velocipeden-Reitclub. Mit Pferden hatten die Gründungsväter nichts am Hut, Fahrräder wurden zunächst „geritten“. 2001 wurde der ABC aus dem Vereinsregister gestrichen. Der ehrwürdige Club fiel in einen Dornröschenschlaf, bis Lars Amenda ihn bei seinen Recherchen über die Geschichte des Radfahrens entdeckte. Amenda trommelte ein paar Mitstreiter zusammen und erweckte 2013 den ABC zu neuem Leben. Heute schrauben die Drahtesel-Fans des ABC an historischen Fahrrädern, organisieren Ausfahrten und erforschen die Historie. Im Mai ist Amendas Jubiläumsbuch erschienen, das die 150-jährige Geschichte des Sports in der Hansestadt beleuchtet – eine echte Fahrrad-Hamburgensie.

Mit der Geschichte Hamburgs beschäftigt sich Lars Amenda nicht nur privat, sondern auch beruflich. Als freier Historiker kuratiert er Ausstellungen und schreibt Bücher. Inhaltlich dreht es sich dabei meist um Hamburg. Er untersucht die Spuren chinesischen Lebens in St. Pauli oder beleuchtet, wie die Elbmetropole für sich Werbung macht.

Wenn Lars Amenda eine Pause braucht von Archiven und Bibliotheken, guckt er am liebsten in die Töpfe. Das Kochen hat sich zu einer kleinen Leidenschaft entwickelt. Von asiatischer Küche bis Bratkartoffeln kommt bei ihm alles auf den Tisch. Ist ja irgendwie auch klar: Mit etwas Gutem im Bauch lässt es sich viel besser in die Pedale treten.

 

Text: Andrea Guthaus | Foto: Andreas Bock

Das könnte Sie auch interessieren