Persönlich

Liebe ohne Schmalz

Auf der Bühne tobt er sich aus – als Entertainer, Tänzer und Sänger, bis der obligatorische Anzug schweißnass ist. „Ich liebe den Dialog mit dem Publikum“, sagt Begemann strahlend. Was er macht, macht er mit Leidenschaft – als Musiker, als Vater einer Tochter, als Fan von Trash-Reality-TV und Discountern.

Seit 1983 lebt der geborene Ostwestfale in Hamburg – als Erster seiner heimischen Musiker- Clique. Später kommen aus dieser Provinz unter anderem Jochen Distelmeyer („Blumfeld“), Bernadette Hengst („Die Braut haut ins Auge“) und Frank Spilker („Die Sterne“) in die Hansestadt. Gemeinsam ist allen, dass sie deutsch singen, was Ende der 80er-Jahre nicht sehr populär war. „Es ist unsere Muttersprache und ich will, dass meine Nachbarn mich verstehen“, erklärt Begemann. Und „Nachbar“ sei eben auch jeder Einzelne im Publikum. Für sie schreibt er seine Lieder. Immer wieder neu, immer wieder anders. Begemann ist der Poet der Normalos. Er beschreibt ihre Liebesgeschichten – manchmal eben ohne Happy End –, ihre Zweifel und ihr Scheitern. Ohne Schmalz, sondern mit Empathie, „denn Liebe darf man nicht den Schlagerfuzzis überlassen“, fordert der SAGA-Mieter verschmitzt.

Rund 30 Alben hat er inzwischen veröffentlicht und kaum ein anderer Musiker ist bei Themen und Musikstilen variantenreicher als Begemann. So gerne der 55-Jährige unterwegs ist, sein Heimathafen ist Hamburg. „Diese Stadt ist immer noch eine Experimentierstube für Musik. Außerdem haben wir mit Carsten Brosda einen Senator, der dies versteht und unterstützt.“

Legendär ist Begemanns traditionelles Dezember-Konzert im „Knust“ – Monate im Voraus ausgebucht. Aber zur Freude seiner Fans gibt es seit diesem Jahr monatlich einen Begemann-Abend im „Kukuun“ am Spielbudenplatz. Dort spielt er jeweils komplett eines seiner Alben. „Jedes davon erzählt eine Geschichte. Die ist nicht zu verstehen, wenn nur ein oder zwei Lieder davon gespielt werden.“ Und alles – Alltägliches, Dramatisches, Witziges – sei es wert, erzählt zu werden. So wie es Honoré de Balzac in „Die menschliche Komödie“ vorgemacht habe. „Ich hätte nichts dagegen, mit diesem großartigen Schriftsteller verglichen zu werden“, lacht Begemann.

Weitere Information und Termine unter: www.bernd-begemann.de

 

Text: Kerstin Matzen | Foto: Andreas Bock

 

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