Quartier

Am Weißenberge - Stadtentwicklung hautnah

In Ohlsdorf wächst Stück für Stück das neue Wohnquartier „Am Weißenberge“. Herzstück sind die denkmalgeschützten Häuser vom Ende des 19. Jahrhunderts in der Nesselstraße. Rund um das historische Ensemble gruppieren sich die neuen Gebäude auf einer parkähnlichen Fläche so groß wie 19 Fußballfelder. Voraussichtlich im Sommer 2022 sollen die letzten Bewohner einziehen – 800 neue, zum Teil öffentlich geförderte Wohnungen werden dann entstanden sein. Eine Kita, eine Seniorenwohnanlage und ein Park mit wunderschönen alten Bäumen sind schon fertig.

 

Einmaliges Nebeneinander

Alle neuen Gebäude haben Fassaden aus Putz und Klinker, bodentiefe Fenster sorgen für viel Licht. Höhen und Formen unterscheiden sich und geben dem Quartier sein eigenes Gesicht. Auch die Grundrisse variieren, von der Single- Wohnung bis zum Familiendomizil. „Besonders gut gelungen ist der Mix aus neuer Architektur und den denkmalgeschützten Gebäuden in der Nesselstraße. Die Neubauten lassen sich als Weiterentwicklung des historischen Ensembles sehen, dieses Nebeneinander ist einmalig“, erklärt Björn Grisse, der die SAGA‑Geschäftsstelle Langenhorn leitet. Er erinnert sich noch an die Gemüsegärten, den Bauhof und die öffentliche Unterkunft, die es hier früher gab. Gerade haben die Arbeiten für den letzten Bauabschnitt begonnen, der im Sommer 2022 fertig werden soll. Dazu gehören auch ein Supermarkt, eine Drogerie und ein Bäcker. Auch wenn noch nicht alles fertig ist, steht schon jetzt für Björn Grisse fest: „Dieses Quartier war ein richtig herausforderndes Projekt – wir haben Pläne studiert, Grundrisse entwickelt und den Bau und die Vermietungen organisiert. Und dann beobachtet man, dass Menschen nicht nur eine Wohnung bekommen, sondern ein neues Zuhause. Ein Ort, an dem sich Leute begegnen, an dem Nachbarschaften entstehen.“ Auch SAGA-Hauswart André Sonack mag das Familiäre: „Am Weißenberge kennt jeder jeden, hier organisieren Mieter sogar selbstständig Nachbarschaftsfeste. Das ist richtig toll.“

 

Leben im Denkmal

Ende des 19. Jahrhunderts wurden die sogenannten Wärterhäuschen gebaut – als Dienstwohnungen für Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel, die direkt an die Nachbarschaft angrenzt. Im Notfall sollten die Mitarbeiter schnell vor Ort sein. Das denkmalgeschützte Ensemble liegt in der Nesselstraße umgeben von prächtigen Linden. Bevor ringsherum die neuen Gebäude entstanden, hat die SAGA die Wärterhäuschen umfassend saniert. Fenster und Fassade haben dabei einen Anstrich nach historischem Vorbild erhalten.

 

Bunte Steine

„Wenn man von oben draufschaut, sieht es aus, als wäre ein Kaugummiautomat explodiert und die bunten Kugeln hätten sich über die Landschaft verstreut“, erklärt Kathrin Wolf. Die Künstlerin hat zusammen mit ihren Kolleginnen Ergül Cengiz und Henrike Ribbe im Rahmen der langen SAGA‑Tradition von „Kunst am Bau“ den Park mitgestaltet. Die knallbunten Findlinge haben ihren Platz im Regenrückhaltebecken gefunden, ein paar wenige sind im umliegenden Park verstreut.

 

Familiär und grün

Seit 2017 lebt Familie Milz in der Gertrud- Meyer-Straße. „Ich finde es hier richtig toll, es ist sehr familiär“, betont Jannik Milz. Die ersten Kontakte haben sie schon wenige Tage nach dem Einzug auf dem Spielplatz geknüpft. „Im Sommer machen wir einfach die Tür zur Dachterrasse auf, dann können Marie und ihre Freunde hin- und herlaufen, denn die Wohnungen sind über die Terrasse verbunden.“ Zur Arbeit nimmt der Familienvater übrigens den nahen Alsterwanderweg und genießt den Blick auf den Sonnenaufgang

 

Alt und Jung

Ein ganz entscheidender Puzzlestein im Quartier ist die Wohnanlage für Menschen ab 60 Jahren. Aufzüge, barrierefreie Wohnungen, Gemeinschaftsräume und eine großzügige Dachterrasse gehören zum Konzept. Träger ist wie bei der Kita die AWO. SAGA-Geschäftsstellenleiter Björn Grisse: „Wir wollen, dass Alt und Jung im neuen Quartier zusammenkommen. Wir wollen Begegnungen schaffen.“

 

Domizil für den Nachwuchs

Ein Ort zum Toben, Spielen und Basteln: Seit April 2019 hat die Kita Am Weißenberge geöffnet. 90 Kinder entdecken hier die Welt, Träger ist die AWO. Kleine Bagger-Fans sind dort besonders gut aufgehoben, denn im Moment rollen gegenüber der Kita die Bagger für den letzten Bauabschnitt des Quartiers.

 

Luft und Sonne

Der Park dient als zentraler Treffpunkt. Er ist liebevoll bepflanzt mit Sträuchern und Hecken, viele alte Bäume wurden erhalten. Hier ist Platz zum Sausen mit Roller oder Laufrad, und einen großen Abenteuerspielplatz gibt es auch. Wer in der Sonne sitzen will, findet jede Menge Bänke oder nimmt auf einem der knallbunten Findlinge Platz.

 

Nachhaltiges Quartier

Zum Kicken sind die Gründächer auf den Neubauten nicht gedacht – sie sind ein Baustein für den nachhaltigen Wasserkreislauf. Ziel ist es, das gesamte Regenwasser im Quartier verdunsten und versickern zu lassen. Die Pflanzen auf den Gründächern fangen das Regenwasser auf, lassen es langsam verdunsten und haben außerdem einen kühlenden Effekt. Das Wasser, das die Pflanzen nicht aufnehmen können, wird unterirdisch gesammelt und versickert dort. Sind in nassen Wintern auch diese Speicher voll, läuft das Wasser ins Regenrückhaltebecken im Park. So werden die Abwassernetze entlastet und das Quartier ist vorbereitet auf heftige Güsse, die es künftig als Folge des Klimawandels häufiger geben wird.

 

Text: Andrea Guthaus | Fotos: Andreas Bock

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