Quartierskünstler auf der Veddel

Atelierstipendium zur Förderung von Kunst und Kultur und zur kulturellen Belebung des Stadtteils

Foto: C. Romatowski
Foto: C. Romatowski

Baldur Burwitz - der aktuelle Quartierskünstler auf der Veddel

Seine Interventionen und Aktionen sorgen mit subtilem Humor und Einfallsreichtum für Überraschungen: Baldur Burwitz,  der Quartierskünstler 2018/2019 möchte mit seinem Konzept „island of beauty" auf der Veddel für neue Impulse sorgen und aktiv mit den Menschen aus dem Stadtteil ein Kunstprojekt gestalten - Interaktion und Intervention gleichermaßen. 

Burwitz studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig.  Der mit diversen Stipendien ausgezeichnete Künstler stellt weltweit in Museen, Kunstvereinen und Galerien aus. Seit dem Frühjahr 2018 hat er das Wohnatelier des Quartierskünstlers mit dem angegliederten Galerie- und Projektraum auf der Veddel für zwei Jahre bezogen, den er als Ideensammelstelle, Treffpunkt und Diskussionsplattform versteht.

Seine Website zum Projekt "Quartierskünstler" findet sich HIER -  ein prozesshaftes Gebilde, welches immer wieder Veränderungen, Zusätze sowie Überarbeitungen einschliesst und sich damit als permanente Work-in-Progress-Arbeit darstellt.

Boran Burchhardt (2016-2017)

Foto: SAGA Unternehmensgruppe

Mit seiner Goldenen Wand in der Veddeler Brückenstraße hat Boran Burchhardt für viel Aufmerksamkeit gesorgt - nicht nur im Stadtteil selbst. Das kontroverse Projekt, bei dem er die rund 300 Qua­dratmeter große Fassade eines Mehrfamilienhauses auf der Veddel mit echtem Blattgold belegte, sorgte für Diskussionen quer durch verschiedenste Medien, Politik und nicht zuletzt unmittelbar vor Ort. Die goldene Wand, für die Projektmittel von der Kunstkommission der Hamburger Kulturbehörde bewilligt wurden, sieht Burchhardt als überkulturell begreifbares Zeichen: Gold, so sagt er, verstehe jeder. Und das Ziel, mit diesem künstlerischen Akt eine Kommunikation in Gang zu setzen, ist angesichts der noch andauernden Aufmerksamkeit sicherlich gelungen.

Adnan Softic (2014-2015)

Foto: A. Bock

Adnan Softic, Quartierskünstler auf der Veddel von 2014 bis 2015,  hat sich als Künstler und als Bewohner des Stadtteils gemeinsam mit seinen Nachbarn intensiv mit dem Leben auf der Veddel auseinandergesetzt. Sein zentrales Projekt, der Film "Inselkinder", stellt besonders die Kinder der Veddel in den Mittelpunkt.

In enger Zusammenarbeit mit dem Kooperationsprojekt NEW HAMBURG, bei dem seit 2014 das Deutsche Schauspielhaus Hamburg, der Ev.-Luth. Kirchenkreis Hamburg-Ost sowie die lokale Kirchengemeinde zusammenarbeiten, entstand unter Adnan Sofic' Regie u. a. das Theaterstück „Heimatmuseum“, das im Rahmen von „New Hamburg – das Deutsche Schauspielhaus goes Veddel“ aufgeführt wurde. Für NEW HAMBURG leitet er zudem das Projekt NEW HAMBURG KUNSTGALERIE.

Rahel Bruns (2011-2013)

Foto: H. Hass

Die Spannung zwischen Masse und Individuum - auf der Veddel insbesondere vor dem Hintergrund der Auswanderung um 1900 und andererseits der aktuellen Einwanderungsbewegung - war zentrales Thema für Rahel Bruns Fotoprojekt "VEDDEL". Wesentliches Element sind aus historischen und aktuellen Fotos herauskopierte und extrem verkleinerte "Köpfchen", die die Künstlerin selbst im Stadtteil platzierte und dokumentierte oder auch auf Reisen schickte mit Hilfe von befreundeten Künstlern oder interessierten Mitwirkenden. So wurden die "Köpfchen" weltweit geklebt, gestreut und wiederum fotografiert - in Albanien, Argentinien, Brasilien, China, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Israel, Italien, Japan, Korea, Korsika, Litauen, Mazedonien, Mexiko, Norwegen, Peru, Russland, Serbien, Spanien, Türkei, Ukraine, den USA und in diversen Städten und Orten Deutschlands. 

Eine zweiteilige Publikation, bestehend aus einem Künstlerbuch und einem Bildermagazin, entstand in Zusammenarbeit mit Franziska Nast mit teils wörtlichen, teils ins Deutsche übersetzten E-Mails, Briefen und SMS von am Projekt beteiligten Personen. Rahel Bruns künstlerische Mentorin Prof. Dr. Ursula Panhans-Bühler lobt das Projekt VEDDEL als vielschichtige Metapher der Kehrseite der Zivilisation, als Hohlraum und Rückseite der zeitgenössischen Wirklichkeit.“

Dellbrügge/de Moll (2009-2011)

Foto: M. Scholz

Mit dem Projekt "Auf der Suche nach dem perfekten Ort" setzte sich das Künstlerduo Dellbrügge/de Moll mit der aktuellen Stadtentwicklung Hamburgs und deren Auswirkungen auf die Veddel auseinander. Ausgehend von dem Grundgedanken, dass die Wahl des Wohnortes eine wichtige und prägende Lebensentscheidung ist, untersuchten die Künstler, welche Auswirkungen die eher gleichmäßige Bebauung der Veddel auf die verschiedenen Bevölkerungsgruppen aus mehr als 50 Nationen haben könnte.

Konsequent stellte sich das Duo die Frage, wie beispielsweise der Kleine Grasbrook gestaltet werden würde, würde das Gebiet den jetzigen Bewohnern der Veddel geschenkt und entsprechend den unterschiedlichen nationalen Identitäten architektonisch gestaltet werden - entsprechend dem Vorbild des legendären Oklahoma Land Run.  Vorlage für diese Idee bildete auch die 1939/40 erbaute Schwarzwald-Siedlung in Hamburg-Langenhorn, bei der durch architektonische Zitate von Schwarzwaldhäusern die aus Süddeutschland kommenden Rüstungsarbeiter im Norden schnell heimisch werden sollten.

 

Olafur Gislason (2007-2009)

Foto. B. Erichsen

Für Olafur Gislason, den ersten "Quartierskünstler auf der Veddel", standen Gegensätze und Zusammengehörigkeit im Fokus seines Projekts "Gemeinsam parallel". Seine Videoinstallation zeigt ein filmisches Portrait des Stadtteils und seiner sozialen Welten aus der Perspektive der Bewohner. Eine wichtige Rolle spielte dabei das zentral im Stadtteil gelegene Atelier des Quartierskünstlers, das zur Präsentation des Films mit großen Stoffbahnen ausgestattet wurde. Die großen Textilbahnen fungierten damit gleichermaßen als Raumgestaltung wie auch als Projektionsflächen für die Videoinstallation und bestanden aus Hemden und Blusen der Bewohnerinnen und Bewohner der Veddel. Die Einwohner des Stadtteils lässt der Künstler in seinem Film unmittelbar zu Wort kommen, zeigt aber auch durch Präsentation wie auch durch bewusste Auslassung den unterschiedlichen Umgang mit Öffentlichkeit, Freiheit und Selbstbestimmung der ethnisch und religiös verschiedenen Bevölkerungsgruppen des Stadtteils.