Tanzen, tanzen, tanzen

Foto: H. Karstens
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Ausgabe 1 / 2020 Ausgabe als PDF speichern

Jeder kann tanzen, findet Isabella Boldt. Wenn sie auf der Bühne steht, stellt sie allerhöchste Ansprüche an ästhetische Perfektion und Eleganz. Unterrichtet sie, geht es eher um Freude an Bewegung. Dazu zählt sie auch, wenn beim Konzert ihrer Lieblingsband norddeutsch zurückhaltend mitgewippt wird.

„Für mich ist Tanzen wie eine Sprache. Die Bewegung hilft mir, mich auszudrücken. Ich brauche das, um mich zu spüren“, erklärt Isabella Boldt. Solange sie denken kann, dreht sich bei ihr alles um Rhythmus und Bewegung. Ob Tanzferienlager, Ballettstunden, Zirkusprojekte – schon als kleines Kind hat sie alles mitgemacht. Die Freude an Kunst und Bewegung liegt in der Familie, denn ihre Mutter ist Malerin und ihre beiden Schwestern tanzen ebenfalls. Nach dem Schulabschluss stand schnell fest: Tanzend geht es weiter. Zuerst hatte Isabella Boldt in Hamburg eine Ausbildung zur Tanzpädagogin absolviert, später an der Folkwang Universität der Künste in Essen Tanz studiert. Dort verlor sie ihr Herz an das Tanztheater. Sie liebt Pina Bausch, Tanz-Ikone und große Revoluzzerin ihres Fachs. Weg von der Ästhetik des klassischen Balletts – stattdessen Choreografien mit Pantomime und akrobatischen Elementen.

Isabella Boldt mag beides – das Tanzen und das Unterrichten. In Hamburg gibt die 28-Jährige Kurse für Kinder und Erwachsene, von Modern Dance bis zum klassischen Ballett. „Die Leute sind oft ganz beseelt, wenn sie nach der Tanzstunde nach Hause gehen. Es ist einfach toll, Menschen mit Tanzen glücklich zu machen und meine Leidenschaft zu teilen. Gerade in der Unvollkommenheit liegt doch die wahre Schönheit der Menschen“, sagt sie. Als freie Tänzerin steht sie bei Projekten in der ganzen Welt auf der Bühne. Als sie im sizilianischen Catania war und dort Flüchtlingsboote ankamen, hat die Kompanie mit Protestperformances den Verkehr in der Hafenstadt lahmgelegt. Das war so etwas wie ein Schlüsselmoment: „Ich habe gemerkt, dass ich inhaltlich mehr mitgestalten, die Fäden in der Hand halten will.“

Seit Oktober studiert die SAGA-Mieterin deshalb wieder. Sie hat sich eingeschrieben für den Studiengang Performance Studies an der Universität Hamburg. Ihr Ziel ist es, als Choreografin eines Tages die Kunstszene mit eigenen Projekten mitzugestalten. Wie schreibt man Konzepte? Woher kommen Fördermittel und Sponsoren? Was ist bei Verträgen für die Ensemblemitglieder zu beachten? Von dem Studium erhofft sie sich jede Menge Handwerkszeug, um mit eigenen Ideen loslegen zu können: „Ich möchte mit meinen Choreografien Themen, die mich beschäftigen, auf die Agenda bringen.“ Und zwar am liebsten in Hamburg. Denn dass die Szene hier eher überschaubar ist, hält sie für einen Vorteil: „In Hamburg gibt es vor allem Ballett und Musical. Tanztheater-Performances laufen eher als Gastspiele. Es gibt also Potenzial, wir können etwas aufbauen. Ich möchte in Hamburg bleiben, weil ich glaube, dass hier richtig viel passieren kann.“

 

Text: Andrea Guthaus | Foto: Hanna Karstens

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